Mittwoch, 1. Februar 2017

Rezension - Der Kuss des Tigers


Was soll nur aus uns werden? Das konnte niemand sagen, und ich erkannte, welch empfindliches und zerbrechliches Instrument das Herz war. Kein Wunder, dass ich meines weggeschlossen hatte.



Die achtzehnjährige Kelsey kann ihr Glück kaum fassen, als sie einen zweiwöchigen Ferienjob bei einem Zirkus haben darf. Jeder Tag verheißt Spannung, aber was sie am meisten fesselt, ist der weiße Tiger mit den klaren, blauen Augen. Kelsey baut schnell eine Beziehung zu dem sanften Tier auf. So ist es kein Wunder, dass sie darum gebeten wird ihn nach Indien zu begleiten, als jemand ihn kaufte, und ihn wieder auszuwildern.
Es braucht einiges an Überredungskunst bei ihren Zieheltern, doch kurz darauf fliegt Kelsey in das ferne Indien, zusammen mit einem Tiger.
Dort läuft nichts nach Plan und nach mehreren Missgeschicken findet sie sich alleine im tiefsten Dschungel vor, zusammen mit einer gefährlichen Raubkatze, die sie trotz allem zu beschützen scheint. Doch bald kommt der Schock: Ihr Tiger offenbart sich ihr als ein indischer Prinz namens Dhiren, oder kurz Ren, der vor mehreren hundert Jahren von einem Magier verflucht und in einen Tiger verwandelt worden war. Erst seitdem er mit Kelsey in Kontakt geraten ist, kann er sich wieder für wenige Minuten am Tag in einen Menschen verwandeln und bittet sie um Hilfe den Fluch zu brechen.
Colleen Houck besticht durch ihren Humor und ihre unvergleichbare Weise die Gefühle ihrer Figuren auszudrücken. Mir gefiel die orientalische Version des Froschkönigs ausgesprochen gut. Die Aufgaben, die Kelsey, ihr Tiger Ren und auch später dessen Bruder Kishan bewältigen müssen, sind ausgefallen und an viele Sagen abgelehnt, was mir besonders gut gefiel.
An manchen Stellen waren mir die Eigenschaften der Artefakte, die Kelsey sammeln muss, etwas zu abgehoben und selbst für diese Welt zu magisch, aber am Ende des vierten Bandes ergab alles Sinn und las sich wunderbar. Die Reihe war voller Spannung und Abwechslung mit einem für mich unvorhersehbaren Ende.
Mir hat Kelsey als Protagonistin ausgesprochen gut gefallen. Sie verlor ihre Eltern und blieb somit ohne Familie zurück. Dadurch bindet sie sich nicht gerne und hat viele innere Konflikte, was Ren und Kishan betrifft. Trotzdem machte es Spaß sie daran wachsen zu sehen, auch wenn sie für mein Gefühl viel zu oft schwankte.
Ren ist ein Traumprinz, wie er im Buche steht. Mir gefiel seine offene und melancholische Art, wie er Kelsey im Sturm für sich gewinnt. Er hat eine sensible Art, aber vor allem im dritten Band erfährt man, dass er auch anders handeln kann und durch und durch auch ein Mann ist. Sein Wandel gefiel mir nicht besonders, weil es nicht zu ihm passte und ich zu sehr mit Kelsey mitlitt, war aber dennoch ein tolles Element für die Geschichte.
Die Figur, die mich am meisten überraschte war Rens jüngerer Bruder Kishan. Schon im ersten Teil berichtet Ren darüber, dass es allein die Schuld seines Bruders sei, dass sie beide mit dem Fluch belegt wurden. Kishan tritt im zweiten Band auch als der typische Bad Boy auf, unterstrichen durch sein schwarzes Tigerfell und die goldstechenden Augen. Aber er trat eindeutig als mein Liebling heraus. Besonders im letzten Teil konnte er durch seinen Charakter punkten und die Entscheidung, die er am Ende treffen musste, brachte mich vollkommen aus der Fassung.
Dieses Buch ist perfekt für diejenigen, die eine schmerzvolle und mitreißende Liebesgeschichte lesen möchten, mit einem Hauch Dreiecksbeziehung und einer Menge Herzschmerz. Für mich hat sich das Lesen auf jeden Fall gelohnt!
Würde ich Punkte vergeben, so hätte das Buch die volle Punktzahl verdient.

Mittwoch, 25. Januar 2017

Rezension - Die dreizehnte Fee

Ich bin nicht Schneewittchen. Ich bin die böse Königin.

Für tausend Jahre schlief die Dreizehnte Fee den Dornröschenschlaf, jetzt ist sie wach und sinnt auf Rache. Eine tödliche Jagd beginnt, die nur einer überleben kann. Gemeinsam mit dem geheimnisvollen Hexenjäger erkundet sie eine Welt, die ihr fremd geworden ist. Und sie lernt, dass es mehr gibt als den Wunsch nach Vergeltung.

 »Kennst du das Märchen von Hänsel und Gretel?«, frage ich flüsternd. Er braucht mir nicht zu antworten, er weiß, dass nicht alle Märchen wahr sind. Nicht ganz zumindest. Es gibt keine Happy Ends, es gab sie nie. Für keine von uns.



Lilith, die dreizehnte und somit mächtigste ihrer Schwestern, wurde von ebendiesen in einen Hinterhalt gelockt und musste für tausend Jahre schlafen, bis sie der Kuss der wahren Liebe erweckt. Als dies geschieht ist sie geschwächt, verwirrt und in einer Welt, die ihr fremd ist. Nur der Hexenjäger, der ihr und ihren Schwestern nach dem Leben trachtet, steht ihr zur Seite und willigt ein, Lilith bei ihrer Rache zu helfen. Sie wollen die restlichen Schwestern finden und töten. Erst dann darf er sich ihr zuwenden.

Ich persönlich bin kein großer Fan von Märchenadaptionen, da diese die Geschichte so sehr verändern, dass man das Märchen selbst nicht mehr erkennt. Umso mehr hat mich dieses Buch verzaubert, da es schaffte, zwar uns wohlbekannte Figuren aufzugreifen, sie aber so sehr zu verändern, dass es eine völlig neue Welt ergab.
Julia Adrian hat sich nicht auf ihren Vorbildern ausgeruht, sondern neue Konflikte geschaffen und was mich besonders überraschte: Sie ermöglichte es mir auf knapp 150 Seiten Sympathie zu dem noch so unbedeutendsten Charakter zu empfinden. Normalerweise gehöre ich zu denen, die mindestens eine Trilogie lesen müssen, um einen Liebling zu entwickeln. Auch wenn es von der dreizehnten Fee drei Bücher gibt, habe ich bis jetzt nur den ersten gelesen und spare bereits auf die Nachfolger, da ich unbedingt wissen möchte, wie Lilith sich zu entscheiden. Auch wenn sie eine sehr rachsüchtige und kalte Persönlichkeit sein soll, empfindet sie immer noch starke Liebe zu ihren Schwestern, was es auch dem Leser schwer macht, die Geschwister so zerstritten zu sehen.
Ein Element, dass mir besonders gut gefiel war definitiv auch der Hexenjäger. Zu beginn fragte ich mich noch, warum er nur so genannt wurde, aber jetzt nach dem ersten Band ist das ein Element, dass mir besonders gut gefällt. Es gibt ihm eine gesichtslose Persönlichkeit, man versteht Liliths Hin und Her - Gerissenheit ihm gegenüber und formt ihn zu einer namenlosen Bedrohung ihres Lebens, obwohl er immer präsent ist! Meiner Meinung nach eine tolle Strategie!
Es sind noch sehr viele Fragen offen geblieben und ich hoffe ihre Antworten bald in Teil Zwei zu erfahren. Wenn vielleicht einige von der Kürze des Buches abgeschreckt ist, so kann ich euch sagen, dass es das Lesen wirklich wert ist! Es gibt keine langweiligen Passagen, die Protagonisten sind immer in Bewegung und, soweit das in einer magischen Welt möglich ist, realistisch ausgearbeitet, sodass man sie gut nachvollziehen kann.
Könnte ich diesem Buch Zehn Sterne geben, so wären es definitiv Neun bis Zehn, die endgültige Entscheidung würde ich erst treffen, nachdem ich den dritten Teil gelesen hätte, aber es sieht vielversprechend aus.

Ich hoffe wirklich sehr, dass diese Reihe mit einem Knall endet und bin schon ganz gespannt auf die Fortsetzung.

Samstag, 14. Januar 2017

Rezension - Plötzlich Fee und Plötzlich Prinz

My name is Meghan Chase.
In less than 24 hours I'll be sweet sixteen.
When a girl finds true love ... and the stars shine for her ...
and the handsome prince carries her off into the sunset ...
I don't think it will be that way for me ...
On my 16th birhtday, my brother was kidnapped ...
by faeries
I'm going to get him back!





Meghan Chase ist ein ganz gewöhnliches Mädchen. In der Schule ist sie förmlich unsichtbar, nur ihr bester Freund Robbie Goodfell steht ihr zur Seite, zu Hause lebt sie in einer Patchwork Familie.
Doch eines Tages scheint sich ihr kleiner Bruder Ethan verändert zu haben. Während er seine große Schwester, sein Ein und Alles angreift, taucht Meghans bester Freund auf und vertreibt das Wesen, dass Ethan so ähnlich sieht. Es war ein Wechselbalg aus dem verborgenen Reich der Feen, dem Schönen Volk. Und auch Robbie gehört diesem Volk an und offenbart sich Meghan als der sagenumwobene Streichekönig Robin Goodfellow, auch Puck genannt.
Er bringt Meghan an den Sommerhof, des König Oberons, wo Meghan erfährt, dass sie nicht nur dessen Tochter und somit eine Prinzessin und Halbfee ist, sie erfährt auch, dass ihr Bruder von einer neuen Art der Feen entführt wurde, um sie in eine Falle zu locken, da sie die Prinzessin ist. Denn Feen sind keine schimmernden, niedlichen Wesen, sie sind gemein und unberechenbar, sie entführen Kinder, verführen Sterbliche und entführen sie. Diese neue Art der Feen, den sogenannten eisernen Feen, scheint aber eine besonders gefährliche Rasse zu sein. Denn die normalen Feen sind allergisch auf Eisen und Technologie und verbrennen sich daran die Haut. Aber wie bekämpft man eine Fee, dessen Element eigentlich seine Schwäche sein sollte?
Zusammen mit Puck, der Katzenfee Grimalkin und dem mystischen und attraktiven Prinzen des Winterhofes, Ash, macht sich Meghan auf den Weg ihren Bruder zu befreien und taucht immer tiefer in die Geheimnisse des Nimmernie ein.

Ich kann kaum in Worte fassen, was diese Buchreihe mir bedeutet. Julie Kagawa hat es geschafft, altbekannte Sagen zu verweben und sie in eine moderne Geschichte zu verweben. Sie hat Figuren aus anderen Geschichten genommen und ihnen liebevoll Persönlichkeiten geschaffen, die man am Liebsten kennen lernen möchte.
Das Nimmernie hat mich verzaubert und ließ mich noch Monate später nicht los, ich steckte tief in den Abenteuern der vier Helden mit drin und wollte mehr, mehr, mehr!
Leider muss ich zugeben, dass meine persönliche Meinung nicht nur positiv ist, aber gerade das macht auch diese Besessenheit der Buchreihe aus.
Ich habe schon vorher den Sommernachtstraum gekannt und wusste auch vorher um die Eisenkrankheit bescheid. Auch Mab und Grimalkin, die grinsende Katze aus Alice im Wunderland, waren für mich keine unbekannten Charaktere. Deswegen drängte sich mir das Gefühl auf, dass ebendiese Figuren, die Julie Kagawa aus bekannten Geschichten genommen hat, bunter ausgearbeitet waren, als Meghan, oder Ash, die beiden Protagonisten. Ash ist sehr kalt und reserviert, ein perfekter Prinz des Winterhofes und Meghan, als Erzählerin der Geschichte, soll natürlich nicht polarisierend sein, damit der Leser sich mit ihr identifizieren kann, das ist mir bewusst. Nur habe ich mich oft dabei ertappt, dass ich mir nur für Puck ein Happy End wünschte.
Vielleicht bin ich auch einfach voreingenommen, da er schon im Sommernachtstraum von Shakespeare mein absoluter Liebling war und es einfach verdient hat! (Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich ihn mit Meghan zusammen sehen wollte, ich bin zu einhundert Prozent für Meghan und Ash).
Diese Welt, so muss ich zugeben, hat mich so inspiriert, dass ich am liebsten ein eigenes Feenbuch schreiben würde, aber es wird wohl sehr schwer werden, wenn Julie Kagawa die Messlatte so hoch gelegt hat und einfach alle fantastischen Welten miteinander verbunden hat.

Diese Reihe würde ich jedem empfehlen, der Feen liebt, guten Humor, einen gewitzten und modernen Schreibstil und der sich auch gerne mal ein Tränchen aus dem Augenwinkel wischt.





Auch wenn diese Reihe nun schon seit Jahren hinter mir liegt, habe ich mich erst dieses Jahr an die Fortsetzung, Plötzlich Prinz, getraut. Ich war einfach noch zu mitgerissen von dem Strom der Gefühle, um mich sofort in das nächste Chaos zu stürzen.

In der zweiten Reihe geht es um den jungen Ethan Chase. Verbittert über die Streiche, die ihm die Feen spielen, einfach nur, weil er den Blick hat, also die Feen sehen kann, stößt er jeden von sich, um sie zu schützen. Aber als merkwürdige, geisterhafte Feen auftauchen und beginnen, Halbblüter und Exilanten zu entführen, wird Ethan unweigerlich in das Chaos verstrickt und er muss in das Nimmernie zurückkehren.

Auch diese Reihe hat mir wahnsinnig gut gefallen. Ethan gefiel mir als Protagonist besser, als Meghan, da er mit seinem gemeinen Verhalten eher einen Charakter entwickelt hatte, als seine große Schwester. Wenn man die erste Reihe bereits gelesen hat, freut man sich natürlich auf die altbekannten Gesichter und wird auch nicht enttäuscht. Gleichzeitig ist es Kagawa gelungen, nicht zu sehr auf die Vorgeschichte zurückzugreifen, indem sie mit den geisterhaften Feen ein komplett neues Abenteuer erschuf, dass man einfach miterleben möchte.


Diese Reihe wird für immer einen besonderen Platz in meinem Regal haben und ich werde für immer diesen Büchern, dieser gigantischen Geschichte hinterhertrauern, sie zerdenken müssen und sie einfach nur lieben.

Dienstag, 10. Januar 2017

Rezension - Das letzte Einhorn


Das helle Funkeln der Hörner.
Wie regenbogenschimmernde Masten auf silbernen Schiffen kamen die Hörner
aus dem Meer geritten. Jede Woge trug Hunderte heran, sie bäumten sich
auf und stampften und bogen ihre langen wolkigen Hälse weit zurück.





Durch Zufall bekommt das reine und bezaubernde Wesen mit, dass es das letzte seiner Art sei. Es kann dies nicht glauben und verlässt seinen beschützenden Wald, um herauszufinden, was aus den anderen Einhörnern geworden ist. Auf seiner Reise wird es begleitet von dem unbeholfenen Zauberer Schmendrick und der Räuberbraut Molly Grue, die ihm tatkräftig zur Seite stehen, um den roten Stier zu finden, der die Einhörner gejagt haben soll. Ihre Reise führt sie zu dem Reich des König Haggards...

Es gibt kaum eine Geschichte, die mich so gefesselt hat, wie die des letzten Einhornes. Diese Welt ist detailreich und mit vielen, kleinen Überraschungen, die mich nur in Staunen versetzen konnten, wie den Schmetterling, der zwar sprechen kann, aber nicht klug genug ist, um eigene Worte zu bilden und nur das sagen kann, was er selbst hörte.
Es war ergreifend zu lesen, wie sich die Lady Amalthea langsam in den Prinzen verliebte, ihre andere Seite verlieren wollte und doch am Ende ihre eigentliche Aufgabe erfüllte.
Das Ende ist herzzerreißend traurig und jeder, der auch den Zeichentrickfilm sah, muss das Buch gelesen haben, denn es ist noch besser!
Wie auch im Film kann man am Ende nur weinen, wenn das Einhorn seinen Prinzen verlassen muss und die Worte zu Schmendrick sprach, die mir jedes Mal das Herz zerreißen möchten

Kein Leid auf dieser Welt ist so groß wie diese Freude. Bis auf Eines. Und selbst dafür danke ich dir.

Wer natürlich ein Happy End haben möchte, ist hier an der falschen Adresse, aber wer eine Liebe sehen möchte, die alles übersteigt und sich bis in das hohe Alter hin zieht, sollte sich diesen Band kaufen. Die Fortsetzung, Zwei Herzen, ist ähnlich packend und beantwortet schlussendlich die Frage, was aus Schmendrick, Molly Grue und Prinz Lir wurde. Das Ende ist erschreckend, aber passt perfekt in den Stil seines Vorgängers, der zeigen kann, dass selbst in einer magischen Welt die Realität grausam sein kann.


Müsste ich dieses Buch auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten, so würde es zweifelslos eine 12 bekommen, da es in kein Schema passt, das ich jemals gelesen habe. Eine nicht nachzuahmende, unvergessliche Geschichte.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Der Kuchen namens Maulwurf

Hallo, heute wende ich mich das erste Mal mit einem eigenen Text an euch. Ich habe ihn geschrieben im Rahmen der Schule des Schreibens, bei denen ich seit einem Jahr meine Technik schule, damit ich besser in Formulierungen werde und vielleicht meinen Weg zu einem eigenen Buch verkürzen kann.
Die Aufgabe bestand darin, ein glückliches, oder lustiges Erlebnis meiner Kindheit zu schildern, ich sollte möglichst unterhaltsam schreiben und auch wenn dieses Gerne überhaupt nicht meinen Vorlieben entspricht, hat es sehr Spaß gemacht, diese Geschichte zu schreiben und ich hoffe, sie unterhält euch ebenso gut, wie es meine Dozentin bei der Schule des Schreibens getan hat.

Wer neugierig geworden ist, kann unter folgendem Link mal einen Blick auf die Seite werfen:

http://www.schule-des-schreibens.de/?gclid=Cj0KEQiAv4jDBRCC1IvzqqDnkYYBEiQA89utoqq1w-USxOSLT79O5sseRyhg_UkPVujNadzE-wfTcU0aAmT78P8HAQ




Als es nur noch eine Woche war, bis meine Mutter Geburtstag hatte schlich ich mich eines Abends in das Zimmer meines Bruders. Wir tauschten immer unsere Geschenkideen aus und legten manchmal auch zusammen, wenn einer von uns beiden gerade zu pleite war. Wir beichteten uns gegenseitig, dass wir beide noch nichts hatten und verzweifelten, weil wir,  auch wenn wir zusammenlegten, nichts Besseres finden konnten, als einen Schlüsselanhänger. Mein Bruder, damals gerade dreizehn Jahre alt geworden, half meiner Mutter besonders gerne beim Kochen. Also beschlossen wir, ihr einen Kuchen zu backen.
Wir konnten unsere Freude nicht verbergen als wir erfuhren, dass unsere Eltern an Mamas Geburtstag zu einer Hochzeit eingeladen waren. Bis vier Uhr am Nachmittag hatten wir also das Haus für uns allein. Erst dann würde eine kleine Runde von Gästen kommen.
 Am einundzwanzigsten Juli standen wir früh auf, krochen in das große Bett unserer Eltern und gratulierten unserer Mutter. Sie kuschelte uns glücklich und fragte scheinheilig, ob wir denn etwas Liebes für sie hätten. Wir grinsten uns wissend zu und sagten ihr, dass sie es erst auf ihrer Feier bekommen würde. Sie war verwundert, sagte aber nichts mehr dazu. Sie stand auf und machte sich fertig und in der nächsten halben Stunde waren sie und unser Vater auch schon verschwunden.
Sofort wurden Nils, mein Bruder, und ich hektisch. Wir mussten planen. Da wir fürchterliche Streithähne waren, beschlossen wir, dass wir zuerst schwören mussten, uns nicht anzuschreien. Und wenn jemand einen Auftrag für den anderen hatte, würde er diesen ausführen müssen. Wir schoben gerne dem anderen die Aufgabe zu. Wir machten also aus, dass ich die Küche aufräumen und vorbereiten würde. Da wir uns schon das Rezept aus dem Kochbuch unserer Mutter rausgeschrieben hatten, musste Nils nur mit dem Zettel in der Hand zur anderen Straßenseite unserer kleinen Stadt laufen und dort im Rewe die restlichen Zutaten kaufen. Er war so schnell wieder da, dass ich gerade die Zeit dazu hatte, die Spüle leer zu räumen, alle Gefäße auf dem Tisch zu sammeln und den Ofen vorzuheizen.
Wir bereiteten den Teig zu, füllten ihn in die Form ab und schoben ihn in den Ofen. Zufrieden die Rührstäbe ableckend stellten wir eine Eieruhr. Danach hatten wir eine kurze Pause und setzten uns auf die zwei großen, braunen Sessel vor den Fernseher und guckten zusammen die neusten Folgen von Spongebob Schwammkopf. Als die Eieruhr klingelte, sah ich zu meinem Bruder.
„Der Kuchen muss noch mal zehn Minuten backen“, sagte ich ihm, „kannst du die Eieruhr noch mal auf zehn Minuten stellen?“,
Seufzend, aber unserem Versprechen folgend, rannte mein Bruder in die Küche und stellte die Eieruhr. Schnell wie der Blitz war er wieder bei mir und guckte begierig weiter dem gelben Schwamm bei seinen Abenteuern zu. Leider war mein Bruder nie besonders aufmerksam gewesen, sonst hätte er gemerkt, dass er die Eieruhr nicht auf zehn Minuten, sondern auf eine Stunde gestellt hatte. Als ich stutzig wurde, weil mein Bauchgefühl mir sagte, dass zehn Minuten schon lange vorbei waren, war der Kuchen oben schon verbrannt.
Wir holten ihn aus dem Ofen und sahen auf die Katastrophe nieder.
„Vielleicht kann man das abkratzen. Darunter ist er bestimmt noch gut“, schlug mein naiver Bruder vor. Ich versuchte es, holte ein Küchenmesser und fing an zu schneiden. Die schwarze Kruste löste sich erstaunlich gut. Zu gut, denn irgendwann bröckelte der komplette Boden ab.
„Der ist ja von innen hohl“, schrie ich.
Mein Bruder tunkte einen Finger hinein, der tief im Teig versank. Er zischte auf und schüttelte den verbrannten Finger.
„Und roh ist er auch noch“,
2Was sollten wir damit jetzt anfangen?“,
„Ich weiß was“, sagte mein Bruder, „wir füllen ihn einfach mit Schokolade. Wir haben ja einen Haufen Schokolade, den wir für die Glasur schmelzen wollten. Wir füllen ihn einfach auch hinein“,
„Und damit er nicht ekelhaft schmeckt, kratze ich den rohen Teig raus“,
So machten wir es. Mein Bruder stellte einen großen Topf voll Wasser auf und hängte einen kleineren an den Griffen hinein. Er brach die Schokolade in kleine Stücke und kippte noch zwei Esslöffel Nutella dazu.
„Damit es auch reicht“, erklärte er.
Ich kratzte mit einem Esslöffel die klebrigen Stellen aus dem Kuchen aus und hob ihn endlich aus seiner Form. Als ich ihn auf einen großen Servierteller zum Auskühlen stellen wollte, hörte ich hinter mir ein „Oh nein!,“ und ein lautes Platschen. Ich wollte mich nicht umdrehen, betete, dass nicht das passiert war, was ich vermutete.
Meinem Bruder war der kleine Topf in das Wasserbad gefallen und mehrere Schoko und Nutella-Flocken trieben nun in beiden Töpfen umher.
„Nils, wir haben kein Geld mehr, um noch mehr Schokolade zu kaufen“, schalt ich ihn. Traurig sah er mich an und ich erinnerte mich an unser Versprechen. Tröstend nahm ich ihn in den Arm und sagte ihm, dass es ja ein Unfall gewesen sei. Ich hob den kleinen Topf aus dem Becken und schüttete das Wasser ab. Die flüssige Schokolade kippte ich in die Höhle des Kuchens und wir stellten ihn in den Kühlschrank, damit sie fest wurde. Nachdem die Schokolade hart war, drehten wir den Kuchen um und strichen Nutella auf die Oberseite. Ich war mir sicher, dass es furchtbar schmecken würde, aber Nils betonte, wie super Nutella war und dass er schon immer einen Nutella-Kuchen haben wollte. Skeptisch drückten wir mit den Messern die Glasur fest. Mein Bruder fand ein paar Schokoladenherzen und platzierte sie darauf.
Glücklich, dass wir nun doch etwas hatten, stellten wir unser Werk zurück in den Kühlschrank und holten ihn erst wieder raus, als alle Gäste am Tisch saßen. Stolz wollten wir ihn präsentieren und verkündeten, dass wir es ohne Streit geschafft hatten, einen Kuchen zu backen. Mein Onkel lachte leise und rief „Ach, das ist möglich? Dass ihr nicht streitet und backen könnt?“,
Stolz behaupteten wir, dass wir sogar noch mehr geschafft hätten. Doch als wir unseren tollen Kuchen sahen, waren wir untröstlich. Die Schokolade im inneren hatte das fragile Kunstwerk nicht zusammen gehalten und der Kuchen war eingestürzt. Er sah aus, wie in totes Tier. Während meinem Bruder und mir zum Weinen zumute war, probierten die Gäste höflich unsere Schokoladenbombe. Und sie waren begeistert. Sie liebten den Kuchen, der von uns liebevoll „der überfahrene Maulwurf“ genannt wurde. Noch heute beteuert meine Mutter, dass es der beste Kuchen in ihrem ganzen Leben war, obwohl wir alle wissen, dass nur die Geschichte ihn so köstlich gemacht hat.



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Ich hoffe diese kleine Geschichte konnte euch ein Lächeln auf die Lippen zaubern.